Neue Medien

1/2009 - Standards in der Medienbildung

Dieter Baacke Preis – Handbuch 4, Kinder im Blick. Medienkompetenz statt Medienabstinenz

Hrsg. von Jürgen Lauffer und Renate Röllecke

AutorIn: Elisabeth Augustin

Theorie und Praxis der aktiven Medienarbeit mit Kindern

Abstract

Verlag: GMK

Erscheinungsjahr: 2009


Bereits zum vierten Mal in Folge haben Jürgen Lauffer und Renate Röllecke für die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) das Handbuch zum Dieter Baacke Preis herausgegeben. Der Band mit dem Titel „Kinder im Blick. Medienkompetenz statt Medienabstinenz“ setzt sich mit Medienpädagogik für die Jüngsten auseinander. Theoretisch loten die Autoren und Autorinnen die Möglichkeiten für den Medieneinsatz in Kindertagesstätten sowie Vor- und Grundschulen aus. Ergänzend stellen die VerfasserInnen prämierte medienpädagogische Projekte aus dem Jahr 2007 vor. Wiederholt wird im Band die Forderung nach einer aktiven und kreativen Mediennutzung laut. Kinder mit ihren Medienerlebnissen nicht alleine zu lassen und Anreize zur kreativen Medienrezeption und Medienproduktion zu bieten, sind – quer durch sämtliche Beiträge – zentrale Forderungen an Eltern und Lehrkräfte. Mediennutzung muss nicht zwangsläufig soziale Isolation und Kommunikationsarmut bedeuten, sondern kann einen Beitrag zu gelingender intergenerationaler Verständigung leisten. Die HerausgeberInnen machen deutlich, dass Eltern sich mit dem Medienkonsum ihrer Kinder auseinandersetzen müssen, wollen diese nicht den Anschluss an die Lebenswelt der nächsten Generation verlieren. Schließlich kann die Mediennutzung nicht einfach ausgeblendet werden, gehört sie doch unwiderruflich zum Alltag von Kindern heute. Statt in bewahrpädagogischer Abwehrhaltung vor dieser Realtität die Augen zu verschließen, gehe es, so Lauffer und Röllecke, um die Anregung kreativer Mediennutzung sowie um die Förderung von Kritikfähigkeit zur Erhöhung der Zukunftschancen der Kinder. Zentralen Stellenwert im Sammelband nimmt der Beitrag von Norbert Neuß ein, worin sich der Autor an den rigid bewahrpädagogischen Positionen des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer abarbeitet. Spitzers Ruf nach Verboten und Zugangsbeschränkungen stellt Neuß mehrere Studien zur Medienaneignung von Kindern entgegen, die aufzeigen, dass Medienkonsum mitnichten eine passive Handlung darstellt, sondern, dass sich Kinder Medienprodukte aktiv aneignen und als Spiegel für eigene Erfahrungen und Gefühle nutzen. Allerdings verweist auch Norbert Neuß Eltern und ErzieherInnen auf die Pflicht, Kinder mit ihren Medienerfahrungen nicht sich selbst zu überlassen. Eine Forderung, die bereits Ursula von der Leyen im Vorwort unter dem Stichwort „Elternverantwortung“ anspricht. Kindern Medien vorzuenthalten sei nach Norbert Neuß eine Einschränkung von Erfahrungs- und Informationsmöglichkeiten. Ein Umstand, auf den auch Sabine Sonnenschein in ihrem Beitrag „Die wunderbare Medienwelt der Marlene M. Kreative Medienarbeit mit Kindern“ hinweist, in dem sie darlegt, wie kreative Mediennutzung von Kindesbeinen an den kompetenten Umgang mit Medien und Medienprodukten fördert und zu einer Erweiterung der (medialen) Ausdrucksmöglichkeiten führt. So können Kinder durch das Prinzip „learning by doing“ eigene Stärken und Fähigkeiten entdecken und die eigene Persönlichkeit weiter entwickeln. Mediale Identifikationsfiguren sind nicht bloß reine Unterhaltung, sie können die Identitätsbildung beeinflussen und stellen als symbolisches Kapital einen Wert dar. Gudrun Marci-Boehncke zeigt in ihrem Artikel „Hallo, SpongeBob“, dass Medienerlebnisse für Kinder soziale Bedeutung besitzen, da Wissen über mediale Produkte symbolisches Kapital generiert und dieses beim Aufbau von Gruppenrollen relevant ist. So erzeugen Kenntnisse über beliebte „Medienfreunde“ Aufmerksamkeit, die sich in der Rangordnung innerhalb der Gruppe widerspiegelt. Marci-Boehncke weist aber auch auf kritische Momente des Medienkonsums hin, wenn sie die Marktstrategien von Medienprodukten aufzeigt, die sich an Kinder richten. Die Ravensburger Kindergartenstudie (Marci-Boehncke/Rath 2007) zitierend stellt die Verfasserin des Beitrags Konsum, neben kreativem Spiel, als eine der Hauptfolgen von Mediennutzung durch Kinder heraus. Ein Umstand, der bei der durchgängigen Medieneuphorie des Bandes eher in den Hintergrund tritt. Die Bedeutung von Fortbildungen für ErzieherInnen und Lehrkräfte stellt Ilka Goetz in ihrem Beitrag heraus. Zur adäquaten medienpädagogischen Förderung von Kindern gehöre die Möglichkeit zur fachlichen Weiterbildung und zu Initiativen im pädagogischen Alltag über vereinzelte Projektwochen hinaus. Nur so können Medienerlebnisse zu umfassenden Kommunikationsanlässen umgestaltet und ausgebaut werden. Das vierte Handbuch zeigt wissenschaftlich untermauert Praxiswege zur Integration von Medien in den pädagogischen Alltag in Kindertagesstätten und Grundschulen auf. Der Band stellt die prämierten medienpädagogischen Projekte aus dem Jahr 2007 vor und ist damit ein wichtiger Beitrag zur Dokumentation medienpädagogischer Initiativen in der Bundesrepublik Deutschland. Das liebevoll und sorgfältig gestaltete Buch richtet sich an pädagogische Fachkräfte und Eltern. Es bietet zahlreiche Anregungen zur medienpädagogischen Arbeit mit Kindern in Vorschule, Grundschule sowie im familiären Umfeld. Zu hoffen bleibt, dass die prämierten Medienprojekte Anregungen für zukünftige pädagogisch fundierte Medienerlebnisse von Kindern sind und dieser wichtige medienpädagogische Beitrag die überregionale Vernetzung im deutschsprachigen Raum fördert.

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dieter, baacke, kinder, handbuch