Praxis

4/2017 - Kreativität/Ko-Kreativität

Prozessorientierte Videoarbeit mit jungen Menschen und Erwachsenen

AutorInnen: Markus Weisheitinger-Herrmann / Carla Stenitzer

Markus Weisheitinger-Herrmann und Carla Stenitzer berichten in ihrem Praxisbeitrag von einer Kooperation zwischen dem Institut für Medienbildung (IMb) und dem Freien Fernsehen (FS1) in Salzburg, die für aktuelle Formen der Medienbildung sehr bedeutsam ist ...

I. Einleitung

Das Institut für Medienbildung (IMb) bietet als Ausbildungspartner gemeinsam mit dem Freien Fernsehen (FS1) in Salzburg prozessorientierte Videoarbeit mit jungen Menschen und Erwachsenen. Angeleitet durch professionelle ReferentInnen werden die TeilnehmerInnen auf dem Weg zu ihrem Video- bzw. TV-Beitrag begleitet. Im Vordergrund steht dabei die Interessenssphäre der TeilnehmerInnen, was Idee und Umsetzung anbelangt. Ziel ist die handlungsorientierte Vermittlung von Medienkompetenz einerseits und andererseits das Video oder der TV-Beitrag als fertiges Produkt.

Kernpunkt der Arbeit ist es, das Medium Video als kulturelles Phänomen näherzubringen, das ständigen Veränderungen unterworfen ist. Abhängig von technologischen Entwicklungen und Möglichkeiten ändern sich Auftrag, Format und Ästhetik der Darstellung. Filme und Videos erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die gegenwärtige Medienwelt ist ohne audiovisuell aufbereitete Inhalte nicht denkbar. Dies hat jüngst auch der Chefredakteur der BBC betont:

"Wir wissen [...], dass viele Nutzer aus den unterschiedlichsten Märkten auf der ganzen Welt Videos auf ihren Plattformen sehen und teilen wollen." Richard Porter, BBC-Chefredakteur

Einen wichtigen Anteil der Arbeit, des IMb und FS1 bildet die Auseinandersetzung mit Medien und Schule. Im Mittelpunkt steht hier die aktive Medienproduktion und wie Medien in der praktischen Arbeit in der Schule sinnvoll integriert werden können.

Zeitgemäße Bildung in der Schule ist nicht ohne Medienbildung denkbar!

SchülerInnen wachsen in einer digitalen Lebenswelt auf. Mediennutzung will gelernt sein und Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung in diesem Bereich. Medien sind in den letzten Jahren immer mehr fester Bestandteil im Alltag von SchülerInnen geworden. Aber die Kommunikationsstrukturen, durch individuell zugeschnittene Anwendungsmöglichkeiten und durch Endgeräte wie Smartphones oder portable Spielekonsolen, haben sich grundlegend verändert. Ohne Einbeziehung der heutigen Informations- und Kommunikationswege in die Bildungsarbeit, läuft der Bildungsbereich Gefahr, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu verlieren.

Die Zielsetzungen einer aktuellen Bildung müssen Mündigkeit und Emanzipation lauten, damit die Kinder und Jugendlichen ihr Leben aktiv gestalten und bestmöglich nutzen können. Um das zu erlangen, gehört in einer Informations- und Wissensgesellschaft eben auch Medienkompetenz dazu. Medienarbeit ist als wichtiges Element in Lernprozessen zu sehen und leistet durch die Vermittlung von Medienkompetenz einen Beitrag zu persönlichen und beruflichen Entwicklungsperspektiven.

In der Medienarbeit, wie wir sie verstehen, steht der Prozess im Vordergrund, d. h. der Lernprozess während der Medienproduktion ist uns sehr wichtig. Dazu gehören die Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit und Reflexion.

II. Spielfilm Workshop

In diesem handlungsorientierten Workshop produzieren Kinder und Jugendliche ihre Filme. In Kleingruppen zu 3 bis 5 Personen, die von ExpertInnen unterstützt werden, erstellen die TeilnehmerInnen von der Idee über das Drehbuch, bis zur Kameraarbeit und dem Schnitt ihren eigenen Film. Die benötigten Geräte (Kamera, Schnittplatz, Mikro und Co.) sind im Workshop inbegriffen.

Prozessorientierte Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen zeigt die Lebenswelt junger Menschen. Sie ermöglicht die Reflexion des eigenen Medienverhaltens und einen Blick hinter die Kulissen eines Films. Nebenbei wird die Arbeit in Kleingruppen geübt, Aufgaben werden aufgeteilt (Kamera, Regie, Schnitt, Schauspiel) und die eigene Kreativität kann ausgelebt werden.

III. Pädagogischer Mehrwert – Lehrplanbezug

! Medienkompetenz fördern

! Mediale Ausdrucksformen verstehen, kreativ einsetzen und konstruktiv nutzen

! Gestalten von Medien

! Erlernen technischer und handwerklicher Fähigkeiten

! Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Reflexion

! Bezüge zur Lebenswelt

! Mediensysteme als semiotische Systeme verstehen

III. Doku / Reportage Workshop

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Jede/r der dokumentarische Filme gemacht hat, hat sich mindestens einmal diese Frage gestellt. In diesem Workshop produzieren die TeilnehmerInnen in Kleingruppen kurze Dokumentarfilme zu einem oder zu mehreren Themen. Das nötige Handwerkszeug von Recherche, Interviewtechniken, Kameraarbeit und Schnitt wird den Jugendlichen von ExpertInnen nähergebracht. Am Ende steht der eigene Dokumentarfilm bzw. eine Reportage.

Dokumentarisches Arbeiten verlangt Wissen und die Fähigkeit Wissen aufzubereiten, ohne manipulativ zu sein. Daher liegen die Ansprüche dieses Workshops in der Recherche, der Gruppenarbeit, dem Fragenstellen an fremde Personen und besonders in der Erstellung eines authentischen Films. Es erfolgt eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Beim genauen Hinsehen auf die fertigen Filme entdeckt man schließlich generationsspezifische und aktuelle Perspektiven auf Themen sowie die Interessen der ProduzentInnen.

Pädagogischer Mehrwert – Lehrplanbezug

! Medienkompetenz fördern

! Mediale Ausdrucksformen verstehen, kreativ einsetzen und konstruktiv nutzen

! Gestalten von Medien

! Erlernen technischer und handwerklicher Fähigkeiten

! Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Reflexion

! Übernahme sozialer Verantwortung

! Urteils- und Kritikfähigkeit fördern
! Einsetzbar im fächerübergreifenden Unterricht

! Auseinandersetzung mit Inhalten aus Natur-, Gesellschaftswissenschaft und Technik!

! Medienanalyse

! Mediale Manipulation durchschauen

IV. Animationsworkshop mit wissenschaftlichen Themen

Entdecken, Informieren und Gestalten.
 Junge Menschen erarbeiten ihren eigenen Wissensfilm. Die Ideengrundlage dafür kann aus einem beliebigen Themenfeld stammen: Naturwissenschaft, Geschichte oder Technik. Die Themen werden in Filmideen übersetzt, aus denen Trickfilme entstehen. Die Teilnehmenden erhalten eine Einführung in Trickfilmtechniken, zeichnen oder basteln ihre Figuren und ProtagonistInnen und machen ihren eigenen Trickfilm. Abstrakte Prozesse werden durch Animation in einfache und verständliche Trickfilme übersetzt.

Über die Umsetzung der eigenen Ideen ergeben sich neue Zugänge zu wissenschaftlichen Themen und ermöglichen handlungsorientiertes Lernen. Im Zuge der Produktion bekommen die Teilnehmenden einen kreativen Zugang auf wissenschaftliche Themen und erfahren, dass wissenschaftliche Filme auch immer etwas "Gemachtes" sind.

Pädagogischer Mehrwert – Lehrplanbezug

! Medienkompetenz fördern

! Mediale Ausdrucksformen verstehen, kreativ einsetzten und konstruktiv nutzen

! Gestalten von Medien

! Erlernen technischer und handwerklicher Fähigkeiten

! Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Reflexion

! Multimediales Präsentieren

! Einsetzbar im fächerübergreifenden Unterricht

! Auseinandersetzung mit Inhalten aus Natur-, Gesellschaftswissenschaft und Technik

V. TV Workshop

Wie funktioniert eine Magazinsendung? Wie bedient man ein Fernsehstudio? Worauf muss ich bei der Interviewführung achten? 
Da man das und noch viel mehr beim Machen lernt, bieten wir für Schulklassen Fernsehworkshops an. Vom Konzept über die Dreharbeiten, Moderation und Schnitt werden die eigenen TV-Beiträge gestaltet. Ausgestattet mit professionellen Kameras und einem mobilen Fernsehstudio können sich SchülerInnen auf die Suche nach Themen begeben und das alles von der Schulklasse aus. In der Recherche werden mehrere Zugänge zum Thema gefunden und kleinere Projektgruppen setzten diese um.

Nicht der Wunsch eine TV-Sendung zu machen steht im Vordergrund, sondern die Annäherung erfolgt über ein Thema aus dem Lehrplan. Damit bekommen die SchülerInnen eine Möglichkeit mehr, ein Thema aufzubereiten, abseits von Referat & Co. Nebenbei werden Reportagetechniken, Interviewführung, Kamera und Schnitt erlernt.

Pädagogischer Mehrwert – Lehrplanbezug

! Medienkompetenz fördern

! Mediale Ausdrucksformen verstehen, kreativ einsetzten und konstruktiv nutzen

! Gestalten von Medien

! Erlernen technischer und handwerklicher Fähigkeiten

! Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Reflexion

! Übernahme sozialer Verantwortung
! Urteils- und Kritikfähigkeit fördern

! Multimediales Präsentieren

! Einsetzbar im fächerübergreifenden Unterricht

! Medienanalyse

! Manipulation durchschaubar machen


mehr infos unter www.fs1.tv oder www.imb-salzburg.at

Tags

institut für medienbildung, fs1, salzburg, medienbildung