Bildung - Politik

4/2017 - Kreativität/Ko-Kreativität

Keine Bildung ohne Medien! (KBoM) – Positionspapier: Medienpädagogik in die frühkindliche Bildung integrieren

AutorInnen: Andreas Büsch / Kathrin Demmler

Andreas Büsch und Kathrin Demmler haben für den Lenkungskreis der Initiative Keine Bildung ohne Medien (KIBoM) ein Positionspapier zur frühkindlichen Bildung verfasst, das die MEDIENIMPULSE nur zu gerne spiegeln ...

Im Zuge der Diskussion medienpädagogischer Bildungsthemen kommt immer wieder die Frage auf, ob und in welchem Ausmaß, mit welchen Inhalten und zu welchen Zielen Medienpädagogik auch für frühkindliche Bildung relevant ist. Dies möchten wir als bildungspolitische Initiative zum Anlass nehmen, uns grundsätzlich zu diesem Bereich zu äußern.

Nicht erst die KMK-Strategie "Bildung in der digitalen Welt" forderte die Anschlussfähigkeit von medienbezogenen Konzepten entlang der Bildungskette. Die Stärkung von Medienkompetenz in der frühen Bildung ist bereits seit über 20 Jahren ein wichtiges familien- und bildungspolitisches Thema, das die Jugend- und Familienministerkonferenz mit ihrem 1996 gefassten Beschluss "Medienpädagogik als Auftrag der Kinder-und Jugendhilfe" gesetzt hat.

Die Verschmelzung analoger und digitaler Medien (technische und inhaltliche Konvergenz), die vereinfachten Produktionsbedingungen auch klassischer Medieninhalte mit digitalen Endgeräten, deren zeit‐ und ortsunabhängige Verfügbarkeit (Mobilität, Auflösung klassischer Medienorte) sowie die Vernetzung (Internet, Social Media) eröffnen neue Lern‐ und Erfahrungsbereiche. Medien bieten auch schon für Kinder wichtige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und zur kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe. Darüber hinaus liefern Medien wichtige Deutungsangebote, Identifikations‐, Orientierungs‐ und Handlungsräume. Sie sind eine kontinuierlich verfügbare Ressource für Identitätskonstruktionen von Heranwachsenden, auch bereits im Kindesalter. Gleichzeitig bringen sie auch neue Entwicklungs‐ und Sozialisationsherausforderungen sowie gesellschaftliche Risiken mit sich. Diese reichen von ethisch fragwürdigen Medienangeboten über soziale Benachteiligung bis hin zur fahrlässigen oder übermäßigen Nutzung von (digitalen) Medien.

Der kompetente Umgang mit allen Medien ist somit ein Lernprozess, bei dem Kinder von Anfang an aufmerksame Begleitung und kompetente Unterstützung brauchen. Dies ist zu einer zentralen und herausfordernden Aufgabe auch in der frühen Bildung geworden. Aus ihrem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag leitet sich für Kindertageseinrichtungen die Aufgabe ab, neben der Förderung sensomotorischer Fähigkeiten, wie sie typischerweise mit ästhetischen Medien konnotiert ist, auch den Umgang und das Erkunden neuer Technologien und digitaler Medien effektiv und nutzbringend für das Lernen der Kinder einzusetzen sowie ihnen Möglichkeiten zur Reflexion ihrer Medienerfahrungen zu bieten.
Alle einschlägigen Studien[1] belegen, dass bereits junge Kinder aktive Mediennutzer sind, die ihre Erlebnisse und Begegnungen mit allen Arten von Medien aus ihrer familiären Umgebung in die Kita aktiv einbringen. Kindern Räume zur Artikulation und Reflexion ihrer Medienerfahrungen zu eröffnen und ihre Medienkompetenz zu fördern, setzt insbesondere voraus, dass pädagogische Fachkräfte (wie auch Eltern) selbst über entsprechende Kompetenzen und didaktische Konzepte verfügen. Eine professionelle, d.h. grundsätzlich wertschätzende, aber auch kritische und reflexive Haltung dem Themenfeld (digitaler) Medien gegenüber, sollte in pädagogischen Handlungsfeldern als selbstverständlich angenommen werden können.

Es kann nicht ausreichen, auf die selbstsozialisatorischen Kompetenzen der sogenannten Digital Natives zu vertrauen. Vielmehr braucht es entlang der Bildungskette verlässliche und nachhaltige Bildungsangebote, die Medien im Querschnitt zu allen anderen Bildungsthemen zum Gegenstand machen! Dazu braucht es neben einer strukturellen Berücksichtigung in Rahmen- und Bildungsplänen vor allem qualifizierte pädagogische Fachkräfte, in deren Aus- und Weiterbildungen Medienbildung ein relevanter Inhalt ist.

In vielen Familien findet kaum eine reflektierte Auseinandersetzung mit Medien statt. Gerade in dieser Situation sind die Bildungsinstitutionen gefordert! Bisher sind sich aber viele Erziehende in allen pädagogischen Handlungsfeldern hinsichtlich ihrer medienerzieherischen Verantwortung unsicher. Damit alle Kinder die Chance erhalten, Medienkompetenzen zu erwerben und zu erweitern, muss Medienbildung auch in den Einrichtungen der frühen Bildung sowie in den darauf angelegten Bildungsgängen verstärkt werden.

Hierfür sind auch bereits vielfältige Perspektiven und Strategien formuliert worden:

Einen besonderen Schwerpunkt stellen pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche aus Migrationskontexten und bildungsbenachteiligten Milieus dar. Medien bieten für diese Zielgruppen neben besonderen Herausforderungen vor allem besondere Chancen der Partizipation und Integration. Auch im Bereich der frühen Bildung gilt es möglichen Benachteiligungen entgegenzuwirken und die Bildungspotenziale eines aktiven-kreativen Medieneinsatzes nutzbar zu machen.

Für den Lenkungskreis der Initiative KBoM

Prof. Andreas Büsch, Kathrin Demmler


[1] Bspw. Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Hrsg.): DIVSI U9-Studie – Kinder in der digitalen Welt, Hamburg 2015; FLIMMO-Kinderbefragung: Wie informieren sich Kinder über das Thema Flucht? München 2016. Online unter www.flimmo.de/fileadmin/Content/Dowloads/befragungen/BerichtFlucht.pdf; Feierabend, S./Plankenhorn, T./Rathgeb, T. (2015): miniKIM 2014 – Kleinkinder und Medien (Basisuntersuchung zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger in Deutschland), Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (LFK, LMK), Stuttgart. Online unter www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/miniKIM/2014/Studie/miniKIM_Studie_2014.pdf

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kbom, bildung, medien, digitale bildung, positionspapier