Neue Medien

1/2009 - Standards in der Medienbildung

Der Journalisten-Report II - Österreichs Medienmacher und ihre Motive. Eine repräsentative Befragung.

Ein Buch von Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Astrid Zimmermann

AutorIn: Clemens Hüffel

Interessante und neue Einblicke in die Welt der Journalistinnen und Journalisten.

Abstract

Verlag: facultas.wuv

Erscheinungsort: Wien

Erscheinungsdatum: 2008


Gerade in Zeiten, in denen ein Zeitungsherausgeber öffentlich bestimmen will, wer Österreichs nächster Bundespräsident sein soll, und die anderen Medien eiligst diesen Wunsch als zentrales Thema diskutieren, ist es nicht uninteressant, sich einmal mit dem Berufsstand des Journalisten zu beschäftigen. Seit jeher werden dem Journalismus verschiedene Rollen zugeschrieben und auch die Frage diskutiert, ob er Macht hat oder nicht.

Nach dem Journalisten-Report I, der erstmals soziodemografische Merkmale dieses Berufsstandes in Österreich erhoben hatte, folgte nun eine weitere Befragung. Aus der Grundgesamtheit der 7.100 österreichischen Journalistinnen und Journalisten wurde eine repräsentative Stichprobe von 500 Personen gezogen, die im vergangenen Jahr in telefonischen Interviews befragt wurden. Schwerpunkte sind die beruflichen Ideale, die für Österreichs Berufsschreiber und -schreiberinnen bestimmend sind, ihr Rollenverständnis, ihre politische Grundhaltung und ihre ethischen Überzeugungen. Im zweiten Teil wird gezeigt, welche Arbeitsbedingungen sie vorfinden. Einkommen, Arbeitsbelastung, Zufriedenheit und Karriereverläufe sowie Redaktionsstrukturen und organisatorische Veränderungen durch Medienkonvergenz, aber auch Qualifizierung und Weiterbildung stehen hier im Mittelpunkt.

Durchaus interessante Ergebnisse kamen zustande. Immerhin wollen 79 Prozent der Befragten „die Realität genauso abbilden, wie sie ist.“ Nur ein geringerer Teil will mehr oder sieht sich auch als Kontrolleur, Anwalt oder Kritiker. 75 Prozent ist es wichtig, Kritik an Missständen zu üben. 42 Prozent von Österreichs Journalisten halten die Präsentation eigener Ansichten für wichtig. Zwischen Männern und Frauen gibt es kaum abweichende Berufsauffassungen.

Bei einer politischen Zuordnung in Links-Rechts-Schemata sehen sich immerhin 42 Prozent der österreichischen Journalisten deutlich links von der Mitte. Interessant ist auch, dass im Vergleich zu anderen Berufen Journalisten eher selten zu bestimmten Handlungen gezwungen werden, die Gewissenskonflikte nach sich ziehen können. Bei Managern waren es etwa 2006 52 Prozent, die mit Gewissenskonflikten kämpfen, bei Journalisten lag der Prozentsatz bei 28 Prozent.

So finden sich im Journalisten-Report II interessante Daten und Fakten, auch der Anhang mit Anmerkungen zur Operationalisierung der Studie ist durchaus lesenswert. Ein umfassendes Literaturverzeichnis zum Thema rundet die vorliegende Publikation ab.

Tags

journalismus, report, medienmacher