Kultur - Kunst

3/2016 - Mediales Lernen/Lehren im Fremdsprachenunterricht/beim Spracherwerb

Sherlock – der Dandy in tausend Gestalten

AutorIn: Raffaela Rogy

Die wunderbare BBC-Serie "Sherlock" hat Sherlock Holmes und Dr. Watson in die Medienwelt des 21. Jahrhunderts gebracht. Sherlock mit SMS statt Telegrammen und Watson mit Blog statt Notizbuch … Raffaela Rogy analysiert.

Abstract

Entsprungen aus den viktorianischen Romanen von Sir Arthur Conan Doyle kehrt die Figur des Kriminalvirtuosen Sherlock Holmes in das 21. Jahrhundert mit der BBC-Serie Sherlock zurück. Der vorliegende Text geht dem Privatdetektiv Sherlock Holmes in dieser Neuinterpretation nach und untersucht Konzepte äußerlicher wie innerlicher Performanz. Denkfiguren wie das Genie, der Dandy oder der Held werden miteinander diskutiert, in Beziehung gesetzt und (neu) interpretiert. Dabei werden Techniken von Einsamkeit mit dem Attribut der Langeweile und des Spiels gelesen. Die filmästhetische Ebene bildet einen entscheidenden Faktor, um den genialen Kopf, die dandyhafte Attitüde und die heldenhaften Taten von Sherlock zu erkennen und nachzuvollziehen. Auf stilistischer Seite war es ein Anliegen die Spannungselemente sowie die Ausgänge der einzelnen Episoden von Sherlock nicht preiszugeben und alles auf die Figur Sherlock Holmes mit ihrer zeitlichen Transformation und vielseitigen Charakteristik, die die Bildung einer Hybridgestalt fordert, zu fokussieren.


1. Von genialen Deduktionen

Er sieht nicht nur hin – er nimmt wahr. Kein Detail, keine Kleinigkeit entgeht seinem Blick – kein Rätsel und kein Kriminalfall ist vor seiner Lösung sicher. 1886 erschuf Sir Arthur Conan Doyle in seinen Kriminalromanen die Figur des brillanten Privatdetektivs Sherlock Holmes, die bis heute in zahlreichen literarischen wie filmischen Adaptionen weiterlebt. 2010 wagte die BBC mit den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss eine Neuinterpretation von Doyles Sherlock Holmes für die Mini-Fernsehserie Sherlock. Moffat und Gatiss lassen Sherlock Holmes im London des 21. Jahrhunderts agieren und stellen dabei für die rund 90-minütigen Folgen von Sherlock zahlreiche inhaltliche Bezüge zu den Kriminalgeschichten Doyles her. Die Charakteristik der Figuren erfährt dadurch eine Modernisierung: So raucht der Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) von heute keine Pfeife mehr, sondern begnügt sich mit Nikotinpflaster, schreibt SMS anstelle von Telegrammen und sein Assistent Dr. John H. Watson (Martin Freeman) betreibt einen Blog, auf dem er über all ihre bearbeiteten Fälle berichtet. Der selbsternannte Consulting Detective Sherlock Holmes, der bei kniffligen Fällen von Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves) beratend herangezogen wird, verfügt über ein außergewöhnliches kognitives Vermögen, das vor allem bei seinen genauen Betrachtungen und logischen Schlussfolgerungen bzw. Deduktionen zum Vorschein kommt. Seine naturwissenschaftlichen Fähigkeiten und sein herausragender Verstand machen Sherlock Holmes zu einem hochfunktionalen Soziopathen, der für Gefühle nicht viel übrighat und dies seinen oftmals weniger rational begabten Mitmenschen deutlich spüren lässt. Wenn sein Gehirn nichts zu arbeiten hat langweilt er sich, schießt Löcher in die Wand und gerät erst in Wallung und Hochfreude, wenn ein neuer Serienmörder darauf wartet gefasst zu werden. Obwohl das Aufklären von Morden und anderen Straftaten für Sherlock Holmes als Zeitvertreib und Spiel betrachtet wird, stellt er Gerechtigkeit her, hilft Scotland Yard und erfährt trotz seiner blasierten Art Dankbarkeit und Wertschätzung bei den betroffenen Opfern. Die Frage, die sich stellt ist, wie kann die Figur des Sherlock Holmes in dieser neuzeitlichen Interpretation von Sherlock eingeordnet werden? Ist Sherlock Holmes der im heutigen London von der 221B Baker Street aus Kriminalfälle löst ein Held, ein Anti-Held, ein Genie oder gar eine moderne Form des Dandys?

Sherlock Holmes Genialität äußert sich durch seine Fähigkeit Menschen und Dinge genau zu beobachten und logische Verbindungen herzustellen. Dabei benützt er nicht nur seinen Kopf, den er als Gedankenpalast bezeichnet; seine Kenntnisse als Diplomchemiker im Labor, der Umgang mit modernster Gerätschaft wie etwa seinem Smartphone, an dem er blitzschnell zusätzliche Informationen herausfiltern kann, sowie seine körperlichen Fähigkeiten, die Nahkampfmethoden beinhalten, tragen ebenfalls zur erfolgreichen Deduktion bei. Francesca Coppa bezeichnet Camberbatchs Sherlock treffend als Cyborg, d. h. als ein Maschine/Mensch- Hybridwesen (vgl. Coppa 2012: 211f). Diese Mischform, die Coppa vorschlägt, ist ebenfalls essenziell, wenn man sich den Denkfiguren des Helden, des Genies oder des Dandys annähern will, da diese keinen klaren und eindeutigen Definitionen unterliegen. In ihrer aktuellen Studie Geniekult hat Julia Barbara Köhne die vielseitige Bedeutung und den historischen Wandel des Geniediskurses in den Geisteswissenschaften und Literaturen um 1900 sowie dessen Reüssieren in filmischen Adaptionen untersucht. Köhne zeigt, dass die Worthülse Genie um 1900 paradox verstanden wurde: das Genie war meist männlich, weiß, aus westlicher Herkunft stammend und galt u. a. als exzentrisch, asozial und charismatisch zugleich, einsam, strukturell bisexuell, homosexuell, hyper- oder asexuell und nicht-familiär (vgl. Köhne 2014: 28f). Weiters wurde das Genie mit einem leidenden Körper assoziiert und mit den Topoi Wahnsinn und Held gleichermaßen charakterisiert, die die Ambiguität des Genies weiter herausstreichen (ebd.: 29).

Das Geniale wird von Köhne als Figur beschrieben, die unterschiedliche kulturelle sowie wissenschaftliche Disziplinen und Kategorien gleichzeitig repräsentieren, untergraben und fördern kann und bis heute an ihrer Anziehungskraft nichts verloren hat. "Geniefilme legen Spuren" zu diesem Magnetfeld des Geniediskurses (ebd. 544) – wie auch an Sherlock sichtbar wird. Der im 19. Jahrhundert erfundene Kriminologe Sherlock Holmes funktioniert mit all seiner Genialität noch im Fernsehen des 21. Jahrhunderts und erfreut sich bei den ZuschauerInnen von großer Beliebtheit, wie man an den Einschaltquoten, zahlreichen Fanseiten und erhaltenen Preisen ablesen kann (siehe u. a. Barnes 2011: 172). Dass dem genialen Kopf Sherlock Holmes Wahnsinn und Heldentaten nicht fremd sind, zeigt sich beispielsweise, wenn er Leichenteile wie abgetrennte Finger oder Augen in seinem Kühlschrank aufbewahrt, mit Watson redet obwohl dieser nicht anwesend ist und aufgrund einer bestimmten Bodenbeschaffenheit dank seiner Kombinationsgabe zwei entführte Kinder findet und diese vor dem Tod rettet. Doch was macht einen Helden aus? In seinem Werk Der Heros in tausend Gestalten hat Joseph Campbell das Grundmuster von Heldenmythen und -legenden aus aller Welt untersucht und dabei den psychologischen Werdegang des Helden, der nicht nur auf Heldengeschichten, sondern auch auf das Leben übertragbar ist, herausgearbeitet. Vom kindlichen Kosmos entrissen begibt sich der heranwachsende Held auf seine mit zahlreichen Prüfungen übersäten Reise und wird zudem mit seiner eigenen Ahnengeschichte konfrontiert.

Dabei stehen dem Helden anfänglich Helfer zur Seite bis die schwerste Aufgabe, die Versöhnung mit dem Vater und der Vergangenheit, dem Helden zum Licht führen und er ein Elixier zum Wohle des Kollektivs erhält. D. h. der Held muss eine persönliche Entwicklung vollziehen, die auch jeder Mensch in seinem Leben vor sich hat. Campbell bemerkt dazu: "Nicht die Gesellschaft hat den schöpferischen Heros zu lenken und zu erretten, sondern er sie. Und so teilt jeder von uns das höchste Gottesgericht und trägt das Kreuz des Erlösers – nicht in den Augenblicken großer Stammessiege, sondern im Schweigen seiner einsamen Verzweiflung" (355). Der Mythenforscher Campbell legt nahe, dass jeder ein Held in seiner eigenen Geschichte sein kann. Entscheidend ist, wie er oder sie sein oder ihr Potenzial ausschöpft. Der Sherlock Holmes in Sherlock ist nicht nur eine Grenzgestalt zwischen Mensch und Maschine, sondern auch zwischen Held und Antiheld (vgl. Marinaro/Thomas 2012: 79). Er kämpft zwar auf der Seite der Guten, also für die Exekutive und für Gerechtigkeit, aber er sieht sich selbst nicht als einer von ihnen, als Held. Sherlock gehört allerdings auch nicht der Seite des Bösen an, die vom Schurken und Gegenspieler Sherlocks Jim Moriarty (Andrew Scott) verkörpert wird. Dies wird während eines Gesprächs zwischen Sherlock und Moriarty deutlich, als dieser Sherlock vorwirft er sei langweilig, da er auf der Seite der Engel stehe. Sherlock kontert, dass er zwar auf deren Seite stehe, jedoch kein Engel sei (S2/Ep.3). Vom Titel Held will sich Sherlock stets entfernt wissen, wenn er zu John Watson sagt, dass er aus Menschen keine Helden machen solle, da diese nicht existieren. Und selbst wenn es Helden gäbe, wäre er, Sherlock, keiner von ihnen (S1/ Ep.3). Neben Moriarty taucht ein weiterer Widersacher Sherlocks auf: Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), der Sherlock vorwirft den Helden zu spielen, worauf Sherlock sich klar äußert: "Ich bin kein Held – Ich bin ein hochfunktionaler Soziopath!" (S3/Ep.3).

2. Ein (post)moderner Dandy

Um dem hochfunktionalen Soziopathen Sherlock Holmes, der gewiss geniale wie auch heldenhafte Züge in sich trägt, auf den Grund zu gehen bietet sich die Figur des Dandys an. Seine genaue etymologische Herkunft ist unklar, allerdings steht fest, dass der Dandy bzw. der Dandyismus eine Kulturerscheinung des 19. Jahrhunderts ist, die sowohl von der Französischen Revolution als auch von der Industrialisierung beeinflusst wurde (vgl. Gnüg 2000: 814, 816). Das gelebte Dandytum etablierte sich in England und traf in Frankreich vor allem durch Autoren wie Balzac, Baudelaire oder Barbey d’Aurevilly, die sich selbst als Dandys verstanden, eine kultursoziologische und ästhetische Auseinandersetzung (ebd. 815). Dem Dandy haftet eine bestimmte Geistes- und Lebenshaltung an, die sich durch hohes Modebewusstsein, überlegenen Geschmack, perfekte Manieren, zynisch-frivolen Konversationen und einem ausgeprägten Selbstkult äußert (vgl. Erbe 2009: 19). Die Kleidung des Dandys, der die Attribute des Müßiggängers und der Spielernatur eint, unterliegt einem Regelwerk, das darauf bedacht ist eine "unauffällige Eleganz" (Gnüg 2000: 819), die die geistige Überlegenheit und die Abgrenzung von der Masse und vom pompösen Adelsstand gleichermaßen zum Ausdruck bringt.

Der Dandy zeichnet sich durch seine unscheinbare Andersheit aus, er braucht für seine Inszenierung ein Publikum, bei dem er impertinent und faszinierend zugleich auftritt (vgl. ebd. 820). Die Agilität und Überlegenheit seines Geistes verlangt dem Dandy eine permanente Affektregulierung ab, die ihn zum Einzelgänger macht und Gefühlsblößen vermeidet (vgl. ebd. 823). Die Frau bildet das Gegenstück zum männlichen Dandy, die für das Animalische und Triebhafte einsteht und vom Dandy vielmehr als ästhetisches Kunstwerk – als Bild – anstelle einer existenten Person in Erscheinung tritt (vgl. ebd. 825). Da er der Natur und jeglicher Form von natürlichem Trieb trotzt, zieht es den modernen, als Einsamen in der Menge flanierenden Dandy in die Großstadt, wo man auch seinen Gegentypus den aristokratischen Clubdandy, der sich in exklusiven Räumen wohlfühlt, antrifft (Erbe 1999: 35). Der Dandy lebt auf großem Fuß, er hat ein unbekümmertes Verhältnis zum Geld, selbst wenn er Schulden machen muss. Entscheidend ist, dass sein ästhetischer Lebensstil aufrecht erhalten bleibt. Und so verändert sich der Dandy im Laufe der Zeit, wenn man die Entwicklung des Urdandys George Bryan Brummells zu Oscar Wilde betrachtet. Wilde beanspruchte für sich die Rolle des Künstlers, gab seinem Auftritt dem Theater und der Presse anstelle von exklusiven Clubs den Vorzug, kreierte ein auffälligeres Dandykostüm und lebte nach der Maxime, dass geniale Menschen einen Sonderstatus in der breiten Öffentlichkeit einnehmen (vgl. ebd. 32f.). Der Dandy ist eine Figur des "Über- und Untergangs" und wird als "Krisenbewältigungsstrategie und Antwort auf die vielgestaltigen Modernisierungsschübe des 19. Jahrhunderts" in der Literatur gelesen (Tietenberg 2013: 414).

Einer eindeutigen Definition entzieht sich der Dandy ebenso wie er sich im Laufe der Zeit wandelt. Zurecht beschreibt Anne Kristin Tietenberg den Dandy als Grenzgänger, der "nicht nur beständig auf den Grenzen der historischen Epochen und der sozialen Konventionen balanciert, sondern auch die Grenzen des Konzepts ‚Dandyismus‘ selbst immer wieder ausdehnt und redefiniert, sie zuweilen auch unterminiert und neu errichtet" (519). Es kristallisiert sich heraus, dass der Dandyismus des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts noch immer als Krisenbewältigungsstrategie in Kunst, Kultur, Medien und Gesellschaft aktiv ist und sich dabei Hybridtypen des Dandys ausmachen lassen (vgl. ebd. 523f.). Der Décadent, der Dilettant oder die weibliche Form der Diva können als Beispiel für einen Verwandtschaftsbund zum Dandy gelten (vgl. ebd. 519). So führt die Spur des Dandys weg vom London und Paris des 19. Jahrhunderts nach London in die 221B Baker Street des 21. Jahrhunderts zu Privatdetektiv Sherlock Holmes. Wie bereits erläutert wurde ist die Mode, die sich durch ihre Schlichtheit, Eleganz und Originalität auszeichnet, ein basales Lebensprinzip des Dandys. "Ein Dandy", so Isabelle Stauffer, "herrscht mit der Mode über die Mode, lässt sich jedoch nicht von ihr beherrschen" (43). Im meist regnerischen London in Sherlock kleidet sich Sherlock Holmes im schlichten schwarzen Anzug ohne Krawatte, bindet sich einen kurzen Schal und trägt einen Belstaff-Mantel mit hochgeklappten Kragen. Benedict Cumberbatch beschreibt seine Figur Sherlock dandygemäß: "Sherlocks Anzüge besitzen eine sterile, lineare und routinemäßige Schönheit, da gibt es nichts Prahlerisches oder Auffallendes. Sie sind sehr gut geschnitten, funktional und dennoch sehr modern, und ich denke, das rundet Sherlocks Profil perfekt ab" (Cumberbatch zit. nach Wortmann 2015: 66f). Abseits der Serie Sherlock stieg der von Cumberbatch verkörperte Sherlock zur Modeikone auf und das von ihm getragene Belstaff Mantelmodell Milford zum begehrten und gefragten Kleidungsstück in Großbritannien (vgl. ebd. 67; Barnes 2011: 173). Dass es dem Dandy stets um sich selbst gehe und die Mode dabei entscheidendes Ausdrucksmittel ist, entlockt auch Sherlock einen weiteren dandyhaften Zug, wenn Camberbatch erzählt: "Ist Sherlock eitel? Eitel wie ein Fußballer? Nein. Eitel wie ein Filmstar? Vielleicht. Aber es geht nicht wirklich um das Image, das er der Welt zeigen will, um gemocht zu werden; es geht eher darum, was er von sich selbst nutzen will, um eine Situation unter Kontrolle zu haben. Sein Look ist Teil seiner Rüstung" (Cumberbatch zit. nach Wortmann 2015: 69).

Dieser schützenden Rüstung bleibt Sherlock stets treu ergeben. Wenn Sherlock an einem Tatort erscheint werden alle aufgefordert Schutzkleidung zu tragen, d. h. alle BeamtInnen der Polizei inklusive John Watson hüllen sich in das selbe Gewand; außer Sherlock, der seinen Mantel anbehält und lediglich Gummihandschuhe zur Untersuchung der Leiche überstreift (S1/Ep.1). Obwohl sich Sherlock offenkundig mit der neuesten Mode auseinandersetzt, was sich daran zeigt, dass er bei seinem ehemaligen Studienkollegen eine Breitling-Uhr ausmachen kann, die erst einen Monat auf dem Markt ist, hält er an seiner Gewandlinie fest: Zum Dank für die Aufklärung eines Verbrechens erhält Sherlock Manschettenknöpfe und sagt zu John, dass er solche Hemden nicht anziehe. Ein anderes Mal bekommt er eine Krawattennadel geschenkt und erwidert erneut seinen Unmut darüber, da er nie Krawatten trage (S2/Ep.3). Das einzige Kleidungsstück, das zum Sherlock-Modekanon hinzugefügt wird ist eine Deerstalker-Mütze, auch als doppelschirmige Jagdmütze bekannt (siehe Abb. 1). Als Sherlock und Watson nach einem erneuten Kriminalfall in einem Theater dieses verlassen wollen, greift sich Sherlock eine dieser Mützen aus dem Kostümfundus und setzt diese zum Schutz vor den lauernden Pressefotografen vor dem Theaterhaus auf (S2/Ep.1). Im Laufe der Zeit avanciert diese schützende Jagdmütze zum Sherlock-Hut und wird Teil des Markenzeichens des Privatdetektivs, der durch den Blog seines Assistenten Watson zur Berühmtheit in London aufsteigt.


Abb. 1: Sherlock (2014), Sue Vertue
Bild: Sherlock: Der leere Sarg (2014)
Polyband, TC: 00:02:59

Der Sherlock-Hut fungiert trotzdem als Fremdkörper in Sherlocks Kleiderordnung; wenn er auf diesen angesprochen wird erwidert er, dass es nicht sein Hut sei (S2/Ep.1). Die Kopfbedeckung ist vielmehr als Bindeglied zwischen Sherlock als Privatperson und dem berühmten Privatdetektiv Sherlock Holmes aus den Geschichten von Watsons Blog zu verstehen. Als Sherlock aus seinem Exil nach London zurückkehrt und erneut einen Fall gelöst hat, setzt er sich den Hut auf, tritt vor die Türe zu den wartenden Presseleuten und sagt: "Zeit wieder Sherlock Holmes zu sein" (S2/Ep.1). Es gibt auch jene Momente, in denen Sherlock sein Kostüm ablegt, wenn er sich beispielsweise an einem Auslandseinsatz befindet, ausgepeitscht und gefoltert wird. Dabei leidet natürlich das Aussehen, wie sich an seinem lang gewachsenen Haar und an dem dicht gewachsenen Bart, der die sonst so markanten Wangenknochen von Sherlock verdeckt, zeigt. Zurück in London, wo er frisch rasiert wird und seinen gewohnten Anzug und Mantel überwirft, lässt er die Bemerkung über Watson, der sich in der Zwischenzeit einen Bart hat wachsen lassen, dass dieser ihn nun alt erscheinen lässt und er sich mit einem alten Mann nicht blicken lassen kann, fallen (S3/Ep.1). Ein anderes Mal wird Sherlock von seinem Bruder Mycroft Holmes (Mark Gatiss), der für die britische Regierung arbeitet bzw. als die britische Regierung deklariert wird, in den Buckingham Palace zitiert. Doch Sherlock hat keine Lust seinem Bruder zu helfen und wird von den Beamten des Innendiensts ohne seine Kleidung in die Monarchenresidenz gebracht, wo er nackt nur mit einem Leintuch bedeckt in einem der prunkvollen Salons sitzt (S2/Ep.1). Sein Modeharnisch erlaubt Sherlock sich selbst auszudrücken, er verleiht ihm Sicherheit und dadurch die Möglichkeit sich voll und ganz auf Details und seine Gedanken zu konzentrieren. Er weiß auch mit seiner Modeperformance zu spielen, wenn er betont lässig den Mantelkragen hochklappt, die Arbeit boykottiert indem er gar nichts anzieht oder den parasitären Hut aufsetzt, der ein Grund für seinen Bekanntheitsgrad ist und dadurch die Kundschaft der Detektei sichert. Denn schlimmer noch als ein nicht sitzendes Hemd ist die Langeweile, die aufkommt, wenn Sherlock Holmes nichts zu tun hat. Sein überragender Intellekt, seine Denkgeschwindigkeit sowie der Verlass auf seine Sinne, mit denen eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe einhergeht, verhelfen Sherlock zu seinen raffinierten Schlussfolgerungen und Lösungen.

3. Ein einsamer Detektiv und sein Gedankenpalast

Dabei zählen rationale Fakten, keine literarische Umschreibung und schon gar keine Gefühle. Gefühle, so Sherlock, sind ein chemischer Defekt auf der Verliererseite (S2/Ep.1). Er kennt weder Bindung noch Verpflichtung; auf das Alleinsein kann er sich verlassen, dies beschützt ihn (S2/Ep.3). Es lassen sich zwar zahlreiche homoerotische Anspielungen in Sherlock zwischen Watson und Sherlock Holmes finden, dennoch ist Sherlock im Großen und Ganzen ein rein asexuelles Wesen, das lediglich einmal ein platonisches Verhältnis zu einer Frau unterhält. Die Hauptsache ist für Sherlock, dass sein Hirn, das regelmäßig wie ein Motor überdreht, etwas zu tun hat. Beim Lösen der Kriminalfälle spielt Geld keine große Rolle für ihn, weswegen er mit Dr. John H. Watson zusammen zieht, um sich die Miete in der Londoner Innenstadt leisten zu können. Sherlock will immer alles verstehen und die Lösung zu all den Rätseln und Problemen finden. Die größte Lust bildet sich für Sherlock in Momenten der Wahrheitsfindung heraus, wenn er beispielsweise vor einem gefälschten Vermeer-Gemälde steht und in nur wenigen Sekunden die Fehler darin entdeckt (S1/Ep.3). Fehlt ihm diese Art von Kick, kompensiert er dies – zum Missfallen seines Bruders Mycroft – mit Drogenexzessen. Mycroft Holmes, der im Jaguar durch London fährt sowie feinen Anzugszwirn und Regenschirm zu seinen treuen Begleitern zählt, ist sogar noch klüger als sein Bruder Sherlock.

Anders als sein Bruder, der die Großstadt London regelrecht einatmet und jeden Winkel und jede Gasse genau kennt, zieht sich Mycroft am liebstem im Diogenes-Club zurück, wo die feinen Gentlemen in Ruhe lesen und einem strengen Schweigen unterliegen. Hier treffen zwei Dandykonzepte aufeinander: der flanierende Großstadtdandy Sherlock und der aristokratische Clubdandy Mycroft. Da Mycroft so intelligent ist, erträgt er andere Menschen nicht und bezeichnet diese als Goldfische. Mit Sherlock pflegt Mycroft zwar einen feindseligen Umgang und tituliert sich als Erzfeind Sherlocks, doch im Grunde ist er stets um Sherlock besorgt und schützt diesen vom Hinterhalt seiner Regierungstätigkeiten aus. In Sherlocks Wohnung in der Baker Street bestreiten die zwei Brüder einmal ein Deduktionsspiel mit der vergessenen Mütze eines Klienten von Sherlock. Dabei deduzieren die Brüder, wobei Mycroft ein klein wenig besser beobachtet und schlussfolgert als Sherlock, dass die Mütze repariert sowie an einer Kordelseite herumgekaut wurde und dass es sich aufgrund des Mützenmodells um einen Einzelgänger handeln müsse. Sherlock bemerkt, dass der Klient eben anders sei, und dieser Zustand im Grunde niemanden störe (S3/Ep.3). Dies unterstreicht die Tatsache, dass sich Sherlock über seine eigene Einsamkeit nicht beklagt. Er sucht vielmehr die Einsamkeit, da ihm die Zweisamkeit mit weniger intellektuellen Menschen eine Qual ist. Einsamkeit ist in diesem Fall nicht negativ zu verstehen oder gar ein bemitleidenswerter Zustand, sondern ein Mittel um eine Verbindung zwischen dem Ich und seinem Geist herzustellen. Zudem ist diese Form von Einsamkeit ein Zugeständnis, dass man nicht alle Menschen erträgt, die einen langweilen; es ist die Fähigkeit sich selbst zuzuhören, sich auf seine Gedanken zu konzentrieren und mit sich selbst auseinanderzusetzen. In seinem Text "Mit sich allein" diskutiert Thomas Macho Formen von Einsamkeitstechniken, die als Verdoppelungstechniken bzw. als Strategien der Selbstwahrnehmung zu verstehen sind (vgl. Macho 2000: 27f). Seit der Antike entwickelten und differenzierten sich verschiedene Einsamkeitstechniken, bei denen u. a. die Imagination von Vorbildern und Leitstimmen ebenso im Zentrum standen wie etwa das Motiv des Besessenwerdens, wo die "Abwehr von bedrohlichen Obsessionen und externen Besitzansprüchen" erprobt wurde (ebd. 32).

Weitere Techniken der Einsamkeit wurden als Aufmerksamkeitsübungen durchgeführt, in denen man mit sich selbst auf kontrollierte Art, ohne ekstatische Auswüchse, in Beziehung treten konnte. Die Disziplinierung des Begehrens und der Affekte ging mit vielen Einsamkeitstechniken einher; diese Askese betraf u. a. die Ernährung, die Sexualität oder den Schlaf und förderte ein besonderes Maß an Vernunft zu Tage (vgl. ebd. 36f). Die Trennung, das Fortgehen oder die Imagination eines anderen Ortes stehen im engen Verbund zu Einsamkeitstechniken, die immer auch heterotopische Praktiken sind (ebd. 38f). Einsamkeitsorte sind monotone Umgebungen, auf die die erwünschten Wirkungen der Einsamkeit projiziert werden. An diesen Orten befindet man sich allein und durch die homogene Struktur wird die Erscheinung von Dämonen, Leitstimmen und den "großen Anderen" geradezu begünstigt (vgl. ebd. 39f). Sherlock kultiviert Einsamkeitstechniken, vor allem wenn er einen Fall zu lösen versucht. Er isst nichts, da die Verdauung des Verzehrten zu viel Energie benötigt, und sitzt oftmals Stunden oder Tage stumm mit gefalteten Händen in seinem Sessel. An diesem Punkt zieht sich Sherlock in seinen Kopf oder wie er es nennt in seinen Gedankenpalast, wo all sein Wissen abgespeichert ist, zurück. Den Zuschauern wird auf bildlicher Ebene veranschaulicht welche Gedankenverbindungen sich in Sherlocks Kopf formieren, wenn er seinen heterotopen Gedankenpalast betritt. Dabei reist Sherlock gedanklich oftmals erneut zum Tatort, den er als Außenstehender betrachtet, oder er findet sich an verlassenen Orten wieder, wo sich Bruder Mycroft oder Widersacher Moriarty in Sherlocks Kopf einklinken und ihn ablenken wollen.

Die Arbeit, das Denken, ist Sherlocks Leben bzw. dies hält ihn am Leben. Selbst wenn Sherlock nichts von menschlichen Bindungen hält, ist er dennoch ein guter Networker. Egal ob die Obdachlosen von London, der Besitzer eines Restaurants oder seine Vermieterin Mrs. Hudson (Una Stubbs) – ihnen allen hat Sherlock auf irgendeine Art geholfen und sie alle stehen Sherlock zur Verfügung, wenn er sie braucht. Trotz seiner oft verletzenden Art, die viele Menschen in den Wahnsinn treibt, wird er von einigen geschätzt und sogar gemocht, wie z. B. von der Pathologin Molly Hooper (Louise Brealey) oder Inspector Greg Lestrade, von dem sich Sherlock allerdings nie den Vornamen merken kann. Dies zählt für Sherlock zum unnützen Wissen, das seiner Festplatte nur wertvollen Speicher raubt und stellt erneut seine Analogie zur Maschine her. Im Gegensatz zu den langweiligen Gehirnen, die immerzu der Zeit hinterherhinken, arbeitet Sherlocks Kopf blitzschnell und nimmt zahlreiche Details auf einmal wahr. Dies offenbart sich ebenfalls auf filmästhetischer Ebene, die die RezipientInnen zum Mitlesen und -denken auffordert. In Sherlock werden keine SMS oder Mails vorgelesen, die verschickten Textnachrichten erscheinen rasch in der Bilddiegese während die Handlung und die Dialoge weiterlaufen. Wenn John Watson seinen Blog am Laptop tippt, erscheint die Schrift simultan im Bild, wodurch man veranlasst wird schnell mitzulesen. Hervorstechend sind in Sherlock die Detailaufnahmen, vor allem wenn der Detektiv gerade dabei ist zu ermitteln. Durch Sherlocks Wahrnehmungsreichtum werden seine registrierten Gedanken in Schriftform dem Filmbild hinzugefügt, sodass man als ZuschauerIn weiß, was er soeben erkannt und kombiniert hat (siehe Abb. 2). Man kann im wahrsten Sinne des Wortes seine Gedanken lesen.


Abb. 2: Sherlock (2012), Sue Vertue
Bild: Sherlock: Ein Skandal in Belgravia (2012)
Polyband, TC: 00:20:59

Neben Mycroft Holmes gibt es zwei Personen, die sich mit dem Intellekt Sherlock Holmes messen lassen können: die Antagonisten Moriarty und Magnussen. Beide zeichnet ein hohes Maß an Intelligenz, Cleverness, technischem Know-How sowie ein Hang zum Dramatischen und Wahnsinn aus. Es ist vor allem die Gestalt des Jim Moriarty, die jener von Sherlock Holmes ebenbürtig erscheint. Sherlock als auch Moriarty wohnt eine außergewöhnliche Ratio inne, weshalb sie sich mit anderen Menschen langweilen und auf deren Kosten einen verbrecherischen Rätselwettkampf spielen. "Er braucht ein Publikum – das ist die Schwäche des Genies", sagt Sherlock einmal über Moriarty und beschreibt dabei nicht nur seinen Spielgefährten, sondern auch sich selbst (S1/Ep.1). Denn der vielschichtige Bedeutungskanon des Genies, wie mit Julia Barbara Köhne oben bereits erläutert wurde, weist viele Prallelen zur Denkfigur des Dandys auf. Die Exzentrik, die Einsamkeit, die Asexualität sowie die zahlreichen Ambivalenzen ihres Habitus, sind alles Charakteristika, die das Genie als auch den Dandy im Laufe ihrer Definitionsgeschichten zieren. Sherlock steht in diesem Machtspiel der Genies zwar auf der Seite der Engel, er sieht sich aber nicht als einer von ihnen. Dieser bipolare Standpunkt von Sherlock wird nicht nur durch seine genialen und dandyhaften Züge zum Ausdruck gebracht, sondern offenbart sich auch im Filmbild: Sieht man sich Sherlock an, bekommt man meist kein klares und eindeutig scharfes Bild von Sherlock Holmes. Den Blick auf den Meisterdetektiv gewinnt man meist durch Spiegelungen, wie etwa durch den Rückspiegel des Taxis (siehe Abb. 3) oder durch die Doppelung von Sherlocks Lupe. Verschwommene Bilder von Sherlock werden durch Windschutzscheiben, in denen sich der Verkehr spiegelt, oder die Aufnahmen von Reagenzgläsern im Labor, in denen sich Sherlocks Silhouette verzerrt abzeichnet, provoziert.


Abb. 3: Sherlock (2010), Sue Vertue
Bild: Sherlock: Das große Spiel (2011)
Polyband, TC: 00:58:50

Die Figur Sherlock Holmes erfährt, gemäß der Einsamkeitstechniken, eine Selbstdoppelung auf bildlicher Ebene. Die Brechung durch das Glas vermittelt einerseits die Reinheit und Klarheit von Sherlocks Gedanken und beansprucht simultan das Gebot der Täuschung durch die Trübung für sich. Das Filmbild verrät durch seine ästhetische Linie des Spiegelns und Verzerrens das innerliche Wesen von Sherlock Holmes. Dieser lässt sich nicht klar definieren, verwehrt sich jeder strikten Einordnung und spielt dabei mit seiner äußeren Erscheinung. Verleiht man ihm eine Medaille ist diese mindestens auf beiden Seiten zu betrachten. So formiert sich um die Figur des Sherlocks eine Hybridform die Paareinheiten wie Mensch-Maschine, Genie-Wahnsinn sowie die vielschichtigen Denkfiguren des Dandys und Genies gleichermaßen eint. Nicht zu vergessen ist der Zeitentransfer in Sherlock, der immer wieder viktorianische Elemente in das 21. Jahrhundert schleust. Balaka Basu deutet die zahlreichen Reflexionen in Sherlock als Rückruf und gleichzeitige Präsenz des alten viktorianischen Sherlock Holmes (vgl. 199). Der Sherlock Holmes in Sherlock ist eine Figur, die zwischen den Zeiten und Epochen lustwandelt. Dies wird in der Spezialfolge Die Braut des Grauens (2016) auf die Spitze getrieben, indem Sherlock einen mysteriösen Mordfall im viktorianischen England lösen muss, der sich allerdings nur im drogenberauschten Kopf von Sherlock im 21. Jahrhundert abspielt. Das Setting von Die Braut des Grauens macht oftmals einen Sprung zwischen den Jahrhunderten und man bekommt vom viktorianischen Sherlock Sätze wie:"Ich habe schon immer gewusst, dass ich meiner Zeit voraus bin", zu hören.

4. Conclusio: Ein Held des 21. Jahrhunderts?

Doch was ist mit dem Held, einem Label, dem sich Sherlock nach eigenen Angaben zu erwehren versucht? Ruft man sich Campbells Beschreibung über den Werdegang des Helden ins Gedächtnis, so findet sich am Anfang der Heldenreise ein Helfer. Dieser hat eine wachende als auch leitende Funktion inne und sein Ruf wird selbst von "solchen, die anscheinend ihr Herz verhärtet haben" (Campell 1953: 72) gehört. In Sherlock ist dieser Helfer Dr. John H. Watson, der als verwunderter Militärarzt aus Afghanistan nach London zurückkehrt und fortan Sherlocks Mitbewohner und Assistent wird. John ist vielmehr als der einfache Chronist, der die gemeinsam gelösten Fälle hübsch ausschmückt und Sherlock daran erinnert in der Öffentlichkeit den Hut zu tragen. Nach seinem Kriegseinsatz leidet John Watson an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Allerdings in der Form, dass ihm der Krieg und die Gefahr fehlt, weshalb er die Abenteuer mit Sherlock schnell zu schätzen lernt. Und es ist John, der die fehlenden sozialen Kompetenzen Sherlocks ausgleichen kann, indem er die vermittelnde Rolle zwischen Sherlock und anderen Menschen einnimmt. Es gelingt John Watson Momente der Menschlichkeit bei Sherlock Holmes hervorzubringen und ein dandy-kompatibles Freundschaftsband mit ihm zu knüpfen, wenn die beiden durch die verregneten Straßen, Gassen und Hinterhöfe von London ziehen.

In raren Augenblicken, wie etwa an Weihnachten, schafft es das Geigenspiel von Sherlock seine Gefühlslage zu übermitteln (S2/Ep.1). Dadurch wird die enge Verbindung von Sherlock zu (technischen) Instrumenten erneut deutlich. Er benötigt diese Gerätschaft genauso wie seinen Modenharnisch um seine Andersheit auszuleben und die Langeweile zu überleben. Dabei kommt das (Schau-)Spiel nie zu kurz: Sherlock versteht es mit seiner dandyhaften Attitüde zu spielen, er schlüpft gelegentlich in andere Rollen oder erweitert seine eigene Persönlichkeit zugunsten des öffentlichen Interesses. Jene Störung, die sich in Form von Langeweile äußert, die Sherlock ansonsten mit seiner Umwelt pflegt, ist für diese kurzen Spieleinheiten aufgehoben. Dank John Watson, der nebenbei bemerkt ein ausgezeichneter Scharfschütze ist und sich von Sherlock bis auf ein einziges Mal nie täuschen lässt, ist der Grundstein zum Helden für Sherlock gelegt. Wie sich diese Heldenfahrt, die 2017 mit einer neuen Staffel von Sherlock fortgesetzt wird, weiterentwickelt ist offen. Bis dahin bleibt Sherlock der Dandy in tausend Gestalten.


Literatur:

Barnes, Alan (2011): Sherlock Holmes on screen. The complete film and TV history, London: Titan Books.

Basu, Balaka (2012): Sherlock and the (Re)Invention of Modernity, in: Stein, Louisa Ellen/Busse, Kristina (Hg.): Sherlock and transmedia fandom: essays on the BBC series, Jeffersons, NC: McFarland, 196–209.

Campbell, Joseph (1953): Der Heros in tausend Gestalten, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Coppa, Francesca (2012): Sherlock as Cyborg. Bridging Mind and Body, in: Stein, Louisa Ellen/Busse, Kristina (Hg.): Sherlock and transmedia fandom: essays on the BBC series, Jeffersons, NC: McFarland, 210–223.

Erbe, Günter (2009): Dandytum, Dekadenz & Pop-Moderne. Der moderne Dandy. Zur Herkunft einer dekadenten Figur, in: Tacke, Alexandra (Hg.): Depressive Dandys. Spielformen der Dekadenz in der Pop-Moderne, Köln/Wien: Böhlau, 17–38.

Gnüg, Hiltrud (2000): Dandy, in: Barck, Karlheinz u. a. (Hg.): Ästhetische Grundbegriffe: historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Bd. 1: Absenz-Darstellung, Stuttgart/Weimar: Metzler, 814–831.

Köhne, Julia Barbara (2014): Geniekult in Geisteswissenschaften und Literaturen um 1900 und seine filmischen Adaptionen, Wien: Böhlau.

Macho, Thomas (2000): Mit sich allein. Einsamkeit als Kulturtechnik, in: Assmann, Aleida/Assmann, Jan (Hg.): Einsamkeit, München: Fink, 27–44.

Marinaro, Francesca M./Thomas, Kayley (2012): "Don’t Make People into Heroes, John". (Re/De)Constructing the Detective as Hero, in: Porter, Lynnette (Hg.): Sherlock Holmes for the 21st century: essays on new adaptations, Jeffersons/NC: McFarland, 65–80.

Stauffer, Isabelle (2009): Faszination und Überdruss. Mode und Marken in der Popliteratur, in: Tacke, Alexandra (Hg.): Depressive Dandys. Spielformen der Dekadenz in der Pop-Moderne, Köln/Wien: Böhlau, 39–59.

Tietenberg, Anne Kristin (2013): Der Dandy als Grenzgänger der Moderne. Selbststilisierungen in Literatur und Popkultur, Berlin/Münster: LIT.

Wortmann, Thorsten (2015): Benedict Cumberbatch. Die illustrierte Biografie, Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf.

Filmografie:

Sherlock: Die kompletten Staffeln 1–3 (2014): Sue Vertue, DVD, Polyband; (Orig. Sherlock [2010–2014], BBC, UK).

Sherlock: Die Braut des Grauens (2016): Sue Vertue, DVD, Polyband; (Orig. Sherlock: The Abominable Bride (2016), BBC, UK)

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