Ausgabe 1/2012
21.03.2012

Repräsentation(en) der Shoah
Kein anderes Ereignis der Menschheitsgeschichte stellt für die Nachgeborenen eine solche Herausforderung dar wie die Shoah. Denn die totale, technische Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten erfasste und „despezifizierte“ im Rahmen einer rassistischen und menschenverachtenden Biopolitik alle sog. „volksfremden Elemente“: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie unterschiedlich motivierte Widerstandskämpfer wurden in historisch singulärer Art und Weise gejagt, deportiert und in Konzentrationslagern ermordet.
Wie verschiebt sich historisch und aktuell die Erinnerungskultur durch die Funktionsweise von analogen und digitalen Medien? Wie verändern sich dadurch die Gedächtnismuster und mithin eben die Repräsentation(en) der Shoah?
Die MEDIENIMPULSE bei der Langen Nacht der Forschung 2012
Eine Bildstrecke zu den Aktivitäten der MEDIENIMPULSE


Editorial
Editorial 01/2012
Schwerpunkt
Maria Ecker berichtet von den bisherigen Erfahrungen der Plattform erinnern.at mit der medialen Speicherung und Webverarbeitung von Interviews mit Überlebenden der Shoah, die 2008 und 2011 als DVDs erschienen sind.
Christian Filk untersucht narratologisch und medientheoretisch die Repräsentation(en) der Shoah und arbeitet das Verhältnis von historischer Erkenntnis und audiovisuellen Medien heraus.
Der Beitrag skizziert die gesellschaftlichen Bedingungen einer zeitgemäßen Erinnerungsarbeit im Kontext der gegenwärtigen migrationsgesellschaftlichen Wirklichkeit. Die Verfasserin argumentiert aus ihrem eigenen bundesdeutschen Kontext heraus, wobei die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den österreichischen Bedingungen noch zu diskutieren wären.
Nach der Befreiung des Lagers Majdanek durch die rote Armee im September 1944 gelangten Bilder von den Zuständen im befreiten Lager auch in die westlichen Armeekreise. Das gab den Anstoß, die befreienden Truppen ebenfalls von Kamerateams begleiten zu lassen. Die so hergestellten Bilder dienten u.a. als Ausgangsmaterial für den Film Todesmühlen.
Die Frage nach der Repräsentation von KZ-Fotos in Schulbüchern stößt in ein sehr komplexes Geflecht von Ansprüchen und Bedeutungen. Edtih Blaschitz analysiert in ihrem Beitrag die Funktion von visuellen Quellen in den Repräsentation(en) des Konzentrationslager Mauthausen.
Ausgehend von der Frage, was es bedeutet, sich auf die Suche nach dem Bild der Shoah zu machen, untersucht Christian Zolles grundlegende formale und emotionale Aspekte, die unser Sehen bzw. Wiedersehen des Völkermords begleiten. Es wird gefolgert, dass medial-panoramatische (es ließe sich auch sagen: paranoische) Strukturen für vereinfachte Verhältnisse sorgen, in die sich jeder eingebunden fühlt. Wir schaffen es also nicht, dem (Massen)Sterben keinen Sinn zu geben.
Forschung
Medienbildung ist in der Kita noch nicht etabliert. Mit dem Forschungs- und Interventionsprojekt "KidSmart - Medienkompetent zum Schulübergang" soll die Medienkompetenz der Erzieherinnen und Erzieher durch studentisch begleitete Medienprojekterfahrung gestärkt werden, damit sich ein medienaffiner Habitus bei den Erzieherinnen und Erziehern ausbildet. Erste Ergebnisse der einjährigen Interventionsphase schildert der folgende Beitrag.
Praxis
Es dauert nur etwas länger. Aber schrittweise nähern wir uns Orwells 1984. Christian Berger diskutiert u.a. die eigentliche Funktion von ACTA.
In diesem Artikel werden einige kostenlose Tools vorgestellt, die eingesetzt werden können, um im Rahmen von Projekten mit Kindern und Jugendlichen einfache Computerspiele zu programmieren.
Inside-My-World ist die erste Offline-Plattform, auf der man Freundinnen und Freunde kennenlernen, sich im Chat oder in Foren unterhalten, spannende Games spielen oder ganz einfach das eigene Profil gestalten und auf die Pinnwand seiner Freundinnen und Freunde schreiben kann.
Helmut Hostnig analysiert verschiedene Lernkonzepte, -formen und typen und erläutert, wie leicht man im Unterricht Radio machen kann.
Bildung - Politik
Christine Wijnen analysiert die Rolle von Communitymedien und diskutiert dabei ihren Einfluss auf die Medienkompetenz genauso wie ihre demokratiepolitische Bedeutung. Als Orte der (BürgerInnen-)Beteiligung eröffnen sie freie Räume der Information und transformieren so die traditionelle Medienlandschaft.
Kultur - Kunst
Generally, teaching in art schools can be characterized by two approaches. In one approach the teaching of skills, particularly media skills, is deemed to be essential for developing an artistic practice. In the other the social processes and cultural exposure that one, by default, encounters in an art school environment are considered to be the most important aspect of art education.
Was ist eigentlich Gameboymusik und wer steckt dahinter? Michael Suszynski und Michael Simku berichten vom Kollektivgedanken und anderen Strömungen rund und um den Gameboymusicclub.
Neue Medien
Tobias Ebbrecht hat mit diesem Band eine herausragende Analyse der filmischen Repräsentation(en) des Holocaust vorgelegt. Auf unterschiedlichen Ebenen nähert er sich der äußerst sensiblen Frage nach der (filmischen) Dar- und Vorstellbarkeit der Shoah.
Marcus Hahn und Erhard Schüttpelz kehren mit diesem Sammelband in faszinierender Art und Weise den Umstand hervor, dass unser heutiger Medienbegriff historisch betrachtet mit den Diskursen des Okkultismus und Spiritismus sowie mit Geistersehen und Telepathie verbunden ist.
Susanne Valerie gelingt mit „Schauspieler außer sich“ eine tiefgründige und spannende Auseinandersetzung mit der Kunst des Schauspielens. Im Spannungsbogen zwischen praxisbezogenen Beobachtungen und philosophischen Reflexionen versucht die Autorin der Frage „Warum wollen Sie Schauspieler werden?“ nachzugehen.
Samuel Beckett schrieb im Zeitraum von 1966 bis 1986 eine Reihe von Fernsehspielen für den Süddeutschen Rundfunk (SDR), in denen er neue und innovative Möglichkeiten für den Einsatz von Räumlichkeit, Klänge und Stille öffnete.
Mit der vorliegenden DVD-Edition wird das filmische Stadtporträt Winnipegs des kanadischen Ausnahmeregisseurs Guy Maddin einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Maddins Arbeit ist eine ungewöhnliche, grandiose Mischung aus Fakt und Fiktion, die sowohl die Frage nach Geschichtsschreibung als auch die Mittel des Filmischen bei der Verfertigung von Wirklichkeit bzw. Wahrheit gekonnt reflektiert.
Das „Abécédaire“ des französischen Philosophen Gilles Deleuze ist ebenso sagenumwoben wie sagenhaft: Siebeneinhalb Stunden bewegtes Denken uncut, das allerdings erst nach seinem Tode veröffentlicht werden durfte. Herausgegeben bzw. bearbeitet von Valeska Bertoncini und Martin Weinmann liegt eine vollständige, zweisprachige Edition dieser einzigartigen Arbeit vor.
Mit der deutschsprachigen Übersetzung von Réjean Ducharmes zentralem Werk liegt nicht nur ein in vielfacher Hinsicht in mediale und mnemotische Kontexte verflochtener Text vor; sein Roman ist auch eine eigenwillige Verhandlung von Diaspora und jüdischer Identität nach 1945.
Mit der Veröffentlichung der beiden österreichischen Filme „Im Museum“ (1993) und „T4 – Hartheim 1“ (1988) im Rahmen der Standard Edition werden zwei wichtige Beispiele der filmischen Verhandlung der Shoah einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Ein Sammelband wagt mit 18 engagierten Beiträgen eine couragierte Annäherung an eine erschreckend unerforschte Thematik. Die medial und lokalpolitisch umstrittenen First Person Shooter kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Bedeutung des Spielens im Clan bei World of Warcraft.
Die von Ulrich Wegenast kuratierte DVD hat es sich zur Aufgabe gesetzt einen Einblick in das Animationsfilmschaffen der nationalsozialistischen Ära zu geben. Dazu werden Filmbeispiele aus den Jahren 1937 bis 1944 im Umfang von insgesamt 154 versammelt. Ein mit dreißig Seiten recht umfangreiches Booklet gibt dankenswerterweise Hintergrundinformationen zu den auf der DVD vertretenen Titeln und leistet eine prägnante Einführung in die Thematik des NS-Animationsfilms.
Worin liegt die Faszinationskraft von Online-Rollenspielen? Welche Risiken birgt die "Generation @"?
Ankündigungen
Informationsveranstaltung für technische Ausbildungen in HTLs und Lehrberufen für 10-15 Jährige